Die Reichtümer der Astronomie sind anderswo zu finden: Wenn man draußen im Dunkeln beobachtet bedeutet das normalerweise, dass man etwas zu entdecken versucht, das extrem lichtschwach, klein oder schwer auffindbar ist. Doch je schwieriger die Aufgabe, desto wertvoller der Erfolg. Der Reiz besteht darin, entfernte Wunder aufzuspüren, mit eigenen Augen zu sehen und dabei vielfältiges Wissen und Fähigkeiten als Amateurwissenschaftler zu erwerben.
Allzu viele Leute kaufen sich ein Teleskop, als wäre es ein Fernseher: Sie erwarten, dass es von alleine schöne Bilder zeigt. Aber ein Teleskop ähnelt eher einem Klavier, auf dem Sie nur dann schöne Musik spielen können, wenn Sie lange geübt haben. Ein Teleskop zu bedienen ist allerdings leichter als ein Musikinstrument zu beherrschen: Wenn Sie sich die hier beschriebenen Methoden aneignen, sind Sie am Himmel schon bald ein Meister Ihres Fachs.
Machen Sie sich mit Ihrer Ausrüstung vertraut
Natürlich macht man sich mit einem neuen Teleskop erst einmal bei Tageslicht vertraut, um die Bewegungen um die verschiedenen Achsen, das Ausrichten und das Scharfstellen kennen zu lernen. Auch sollten Sie die verschiedenen Okulare – also die jeweils dem Auge zugewandten Linsen – und damit die unterschiedlichen Vergrößerungen einmal durchprobieren, sodass diese Handgriffe auch im Dunkeln sitzen. Hier sind ein paar Punkte beschrieben, auf die Sie besonders achten sollten, bevor Sie Ihr Teleskop mit hinaus in die Nacht nehmen.
Um die richtige Suchereinstellung zu finden, schauen Sie bei Tageslicht mit dem schwächsten Okular durch das Hauptfernrohr auf ein mindestens 30 Meter entferntes Objekt. Achtung: das Teleskop nie auf die Sonne richten! Sie könnten erblinden! Ein entfernter Baum ist ideal, oder der Schornstein eines Hauses. Zentrieren Sie ihn im Gesichtsfeld. Lassen Sie sich nicht davon beeindrucken, dass der Baum auf dem Kopf steht.
Schauen Sie jetzt durch den Sucher. Sehen Sie den Baum? Ist er in der Mitte des Fadenkreuzes? Drehen Sie die drei Schrauben die den Sucher halten, bis das Fadenkreuz genau auf dem Ziel zu liegen kommt. Schauen Sie nun wieder durch das Hauptrohr und kontrollieren Sie, ob sich das Bild in der Zwischenzeit bewegt hat. Wenn ja, zentrieren Sie das Objekt erneut im Hauptfernrohr und passen Sie erneut die Sucherausrichtung mit den Schrauben an. Wählen Sie für das Hauptteleskop ein Okular mit einer höheren Vergrößerung aus und wiederholen den Prozess, bis der Sucher in der richtigen Position festgeschraubt ist und der Baum auch in Verbindung mit Ihrem stärksten Okular perfekt ausgerichtet ist.
Sie fragen sich vielleicht, warum der ins Visier genommene Baum auf dem Kopf steht. Dies ist bei jedem astronomischen Teleskop so. Da es im Weltall kein Oben und Unten gibt, ist es egal, wie das Gesichtsfeld orientiert ist. Wollte man das Bild richtig herum darstellen, müssten zusätzliche optische Bauteile in den Strahlengang eingesetzt werden, was die Teleskopkosten erhöhen und seine Lichtdurchlässigkeit und Bildqualität verschlechtern würde. So genannte »Bildumkehrungslinsen« werden daher nur in »terrestrischen Fernrohren« verwendet, denen in aller Regel viel mehr Licht zur Verfügung steht.)
Wie stellt man sein Teleskop eigentlich aber richtig auf? Die beiden gebräuchlichsten Montierungstypen sind die azimutale und die äquatoriale Montierung.
Bei einer Äquatorialmontierung gibt es zwei Achsen, um die das Fernrohr in Nord-Süd-Richtung der Himmelskugel (Deklination) und in Ost-West-Richtung (Rektaszension) gedreht werden kann. Bei der azimutalen Montierung dagegen sind die Achsen genau senkrecht und waagrecht, das Fernrohr neigt sich also nach oben oder unten (Änderung der Horizonthöhe) oder von einer links nach rechts (Änderung des Azimutwinkels eines Objekts). Die azimutale Montierung hat den Vorteil größerer Einfachheit, die äquatoriale ist auf lange Sicht jedoch hilfreicher, wenn der Umgang mit ihr auch gewöhnungsbedürftig ist. Für die Astrofotografie ist sie unabdingbar.
Schwenken Sie das Teleskop einmal um seine Polarachse vom östlichen Horizont nach Westen. Genau so werden die Sterne im Laufe der Nacht wandern. Die Bewegung mag am Anfang merkwürdig und unberechenbar erscheinen. Doch egal wohin das Teleskop zeigt: Es bewegt sich immer genau auf Polaris zu oder von ihm weg (Deklination) oder aber im rechten Winkel zu dieser Richtung (Rektaszension). Das ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber wenn Sie Ihr Fernrohr gelegentlich übungshalber auf Himmelskoordinaten einstellen, haben Sie den Dreh bald `raus!
Die hohe Kunst des Beobachtens
Eine Herausforderung in der Astronomie sind die großen Entfernungen der Objekte, die man beobachtet. Wenn Sie auf der Erde etwas genauer erkennen wollen, dann gehen Sie meistens einfach näher heran – bei Sternen und Galaxien ist das natürlich nicht möglich. Die Kunst des Beobachtens – ob mit oder ohne Teleskop – besteht nun darin, Ihre Augen zu schulen, bis sie auch die kleinsten Details noch wahrnehmen.
Das genaue Hinsehen. Regulieren Sie ständig die Bildschärfe. Ein guter Beobachter hat immer die Hand am Fokus, um das Bild noch einen Tick schärfer zu bekommen. Die meisten Astronomen lassen am Okular gerne beide Augen offen, da es das beobachtende Auge anstrengt, wenn das andere zugekniffen wird. In einem Drogeriemarkt oder einer Apotheke können Sie sich auch aber auch einfach eine Augenklappe für das nicht benutzte Auge besorgen.
Sie werden nie alles, was ein astronomisches Objekt zu bieten hat, auf den ersten Blick sehen! Erst konzentriertes, forschendes Beobachten enthüllt feinere Details. Dies gilt sowohl für schwache Galaxien, die kaum vom schwarzen Himmelshintergrund zu unterscheiden sind, als auch für den blendend hellen Vollmond.
Beim Sehen aufs »Seeing« achten. Einer der Gründe, warum das Erkennen von Details Zeit kostet, ist die Unstetigkeit der Erdatmosphäre. Besonders bei hoher Vergrößerung flackern die Lichtpunkte am Himmel aufgrund von Wärmeströmungen in der Luft. Die Stärke dieses Flackerns, »atmosphärisches Seeing« genannt, ändert sich von Minute zu Minute und von Nacht zu Nacht.
Doch während Sie zuschauen wie ein Objekt im Okular wild hin- und hertanzt, können Ihnen plötzlich unerwartet genaue Details auffallen – und zwar dann, wenn die Atmosphäre für einen winzigen Augenblick stabil ist. Genauso schnell sind diese Details dann allerdings wieder verschwunden. Erfahrene Beobachter behalten genau diese Momente im Gedächtnis und ignorieren den Rest. Besonders für helle Objekte bei großer Auflösung ist die Qualität des atmosphärischen Seeings wichtig, sie beeinflusst aber auch die Sichtbarkeit der sehr schwachen Quellen.
Der Planet Mars ist ein weiteres klassisches Beispiel für dieses Phänomen. Wer als Neuling zum ersten Mal einen Blick durch ein kleines Fernrohr wirft, wird den Mars ganz oben auf die Liste der enttäuschendsten Objekte setzen: ein kleiner, strukturloser, verschwommener Lichtfleck. Was passiert, wenn ein erfahrener Marsbeobachter durch dasselbe Okular sieht? Erst erwartungsvolle Stille. Dann: »Dort ist die nördliche Polkappe Das große dunkle Gebiet im Süden muss Mare Erythraeum sein Okay, ich habe Sinus Meridiani Am westlichen Rand ist eine Wolkengruppe « Der Anfänger schaut noch einmal. Wieder nichts als dieser verschwommene Lichtfleck. Nun gut, vielleicht ist da etwas Helles am nördlichen Rand, das da im schlechten Seeing herumgeistert. Und das verschwommene Scheibchen ist nicht gleichmäßig orange, aber das ist doch nur Einbildung, oder? Schon jetzt ist der Anfänger nicht mehr ganz unerfahren, und es wird ihm mit der Zeit immer besser gelingen, weitere Details auszumachen.
Das Auge trainieren. Das Anfertigen kleiner Skizzen ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, um das genaue Beobachten zu trainieren. Diese Skizzen, für die man sich ein kleines Beobachtungsbuch anschaffen sollte, müssen keine Kunstwerke sein: Sie sollen lediglich dazu dienen, Details genauer festzuhalten, als dies mit Worten allein möglich ist. Wenn sich dann beispielsweise in dem beobachteten Himmelsgebiet ein schwacher Asteroid oder ein äußerer Planet befindet, lässt sich anhand der Aufzeichnung dieser Fund identifizieren – indem man sich ein paar Tage oder Wochen später die Gegend noch einmal vornimmt und schaut, welcher der Punkte seine Position verändert hat.
Um Übung beim Skizzieren von Planeten zu bekommen, können Sie erst einmal den Mond zeichnen, wie Sie ihn mit bloßem Auge sehen. Wenn Sie eine normale oder gut korrigierte Sehschärfe haben, enthüllt der Mond schon viel mehr Einzelheiten als das jeder Planet im Teleskop tut! Zeichnen Sie einen mehrere Zentimeter großen Kreis oder Halbkreis und fügen ihm die Licht-Schatten-Grenze, den Terminator, hinzu. Dann schattieren Sie die großen, dunklen Gebiete mit Hilfe eines Bleistifts. Suchen Sie dann nach noch feineren Strukturen. Schon jetzt werden Ihnen viel mehr Details auffallen, als Sie jemals von einem bloßen Blick in den Himmel erwartet hätten.
Die kleinen Annehmlichkeiten des Lebens
Natürlich wird die Konzentration des Beobachters durch alles Mögliche gestört. Um es am Fernrohr möglichst bequem zu haben, brauchen Sie einen Tisch direkt neben sich, auf dem Sie Karten, eine Rotlicht-Taschenlampe, die Okulare, ein Notizbuch, einen Bleistift und anderes Gerät lagern können. Ich benutze schon seit langem einen billigen Campingtisch mit ausklappbaren Metallbeinen. Er ist groß, leicht und einfach zu transportieren. Ich habe ihn vor Jahrzehnten recht billig in einem Gebrauchtwarenladen gekauft.
Nichts stört Ihr Sehvermögen so sehr, als wenn Sie sich anstrengen müssen, um durch das Okular zu sehen. Ein zusätzliches Zenitprisma, das sich in seiner Halterung drehen lässt, ist daher für ein kleines Spiegelteleskop ein schönes Extra. Für ein größeres, äquatorial montiertes Teleskop ist es dagegen fast ein Muss. Und wenn Sie einen höhenverstellbaren Beobachtungsstuhl auftreiben können, tut sich Ihrem Teleskop eine ganz neue Welt auf. Ich selbst habe schon alle möglichen Sitzgelegenheiten verwendet – vom Melkschemel bis hin zu einer Trittleiter.
Jedes Ruckeln oder Spiel bei der Nachführung eines Teleskops kann den Untergang bedeuten, besonders wenn Ihre Montierung keinen Uhrwerksmotor oder eine Computersteuerung hat. Stellen Sie sicher, dass Ihr Fernrohr ausbalanciert ist, indem Sie die richtigen Gegengewichte anbringen und sorgfältig austarieren. Es darf sich in die eine Richtung nicht leichter bewegen lassen als in die andere. Scheuen Sie nicht davor zurück, eine Montierung auseinanderzubauen und sie zu schmieren – oder Sie gar zum Händler zurückzubringen wenn sie wirklich nichts taugt. Die Montierung die ich vor vielen Jahren für meinen 15-Zentimeter-Refraktor gekauft hatte, lief ursprünglich sehr unruhig. Nachdem ich verschiedene Schmiermittel ausprobiert hatte, rieb ich Kerzenwachs auf alle Lagerflächen. Die Feststellklemmen der Montierung waren bloß Bolzen, die gegen die Metallachsen gedrückt wurden. Mit Epoxyd-Klebstoff befestigte ich kleine Lederstücke an die Enden der Schrauben, imprägnierte diese mit Graphitpulver und etwas Öl und erreichte so einen verstellbaren Widerstand. Die Verbesserung war enorm: Selbst bei hoher Vergrößerung kann ich die Sterne jetzt gleichförmig und kontinuierlich nachführen, indem ich einfach mit meinem Nasenflügel sanft das Okular in die richtige Richtung schiebe.
Im Winter können Sie entweder gleich den Standardtipp der Astronomen beachten und sich für um 10 bis 15 Grad niedrigere Temperaturen anziehen, als sie das Thermometer zeigt. Im Sommer haben Sie andere Probleme. Es bleibt ein Rätsel, wie vor der Erfindung von Mückensprays schon erfolgreiche Beobachtungen durchgeführt werden konnten.
Alles was Ihre Beobachtung einfacher, sicherer oder entspannter macht, ist seinen Aufwand wert – egal wie hoch dieser zunächst erscheinen mag.
Alan MacRobert ist Redakteur bei Sky & Telescope und begeisterter Amateur-Astronom.
















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