Glaube und Wissenschaft
Die Mehrheit der Deutschen bezeichnet sich als spirituell - doch ohne feste konfessionelle Bindung. Auch für Wissenschaftler ist Religion wieder ein Thema. So fahnden Hirnforscher nach Spuren Gottes im "Allerheiligsten" des Menschen.
Woran wir heute glauben, unterliegt freilich längst nicht mehr dem Diktat der Kirchen. Ob buddhistische Meditationen, christliche Gottesdienste oder selbst gebackener Multi-Kulti-Glaube – die Möglichkeiten spirituelle Bedürfnisse zu befriedigen, scheinen grenzenlos. Selbst ein Neuheidentum findet Zulauf.
In einer Zeit, in der viele Menschen nach persönlichen Antworten auf die Fragen von Leben, Liebe und Tod sowie den Spielregeln unseres Zusammenlebens suchen, boomen nicht nur Lebenshilfe und pseudoreligiöse Gruppen. Auch besonders strenge Glaubensverbände erfahren Zulauf. Dabei scheinen zeitaufwändige, anstrengende Rituale wie das Zölibat oder Gebets- und Speisevorschriften aus evolutionsbiologischer Sicht zunächst völlig unsinnig. Doch Anthropologen haben eine neue Theorie über derartige Rituale entwickelt: Glaube als Selektionsvorteil – je komplexer und anspruchsvoller die Anforderungen an den Einzelnen, desto stabiler und solidarischer die Gemeinschaft.
Zeitgleich entstehen neue Forschungsgebiete, so etwa die Neurotheologie. Diese relativ junge Disziplin versucht religiöse Phänomene mit Methoden der Hirnforschung zu erklären. Doch die Frage nach Gott bleibt dabei ungeklärt. Und auch ein Ende des alten Streits um den Leib-Seele-Dualismus ist nicht in Sicht.
Der Mainzer Philosoph Thomas Metzinger prophezeit einen grundlegenden Wandel des menschlichen Selbstbildes als Folge der neuen Kenntnisse der Hirnforschung. Würde uns erst einmal bewusst, dass Mensch und Tier nichts unterscheide außer ein paar evolutionäre Zufälle, so erübrige sich auch die Diskussion über die Existenz einer höheren Macht. Es gehe nicht mehr darum, wie der Mensch ist, sondern wie er sein sollte.
Viele Hirnforscher freilich weisen solche Interpretationen von sich: Neuroforschung gehöre zum Spannendsten, was die Wissenschaft gegenwärtig zu bieten habe. Dennoch verfolge sie nur einen Erkenntnisansatz unter vielen, betont der Neurophysiologe Michael Madeja von der Universität Frankfurt.
Aktuell begeben sich Forscher außerdem auf die Suche nach den biologischen Wurzeln des Glaubens. So spricht für den Religionswissenschaftler Michael Blume von der Universität Heidelberg vieles dafür, Spiritualität und Frömmigkeit als "segensreiche" Resultate der Evolution zu begreifen. Dass sich über diese These trefflich streiten lässt, zeigen der Philosoph Franz Wuketits von der Universität Wien und der Theologe Richard Schröder von der Humboldt Universität zu Berlin im Gespräch über die Folgen der Evolutionstheorie für unser Weltbild.
Es liegt auf der Hand: Aussagen über die Existenz oder Nichtexistenz Gottes sowie transzendente Phänomene im Allgemeinen können aus neurologischen und biologischen Forschungsergebnissen nicht abgeleitet werden. Dennoch helfen sie sehr wohl, besser zu verstehen, warum uns auch im Zeitalter der rationalen Wissenschaft noch immer so viel an religiösen Ritualen und spirituellen Erfahrungen liegt. (rr)



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1. Naturwissenschafltiches Wissen
23.07.2008, PeKa, Berlin2. Die Nichtexistenz Gottes
14.08.2008, David Williich bin noch ein Teenager und bin mir aber zu 100 Prozent sicher, dass es keine Art von einer höheren Macht gibt. Aus wissenschafttlicher Sicht ist das Ganze Thema um Gott eine Erfindung alter seniler Menschen. Es ist auch wissenschaftlich erklärbar, wieso Menschen an etwas höheres glauben.
Meine Ansicht ist, dass sehr viele Menschen sich momentan eine eigene Religion zusammendichten in Form von esoterischen Grundlagen. Ich glaube an das, was ich sehe und nicht an etwas, das nicht existiert und nicht beweisbar ist. Die Welt beweist uns jeden Tag, dass es nichts Göttliches noch Spirituelles gibt.
Denkt nur an die Bibel, in der so ziemlich alles erlogen ist, zum Beispiel:
die Entstehung der Erde,
die Entstehung des Menschen,
der Tod, der zu 100 Prozent wissenschaftlich erklärbar ist.
Zum Beispiel der Papst und seine Ansichten zum Thema Sexualverhütung usw.
Für mich steht die Wissenschaft zu 100 Prozent im Vordergrund.
Gruß
David
3. Glaube und Wissenschaft
27.08.2008, Mirjam, GrazDeine 100%ige "Sicherheit" ist beeindruckend ;-)
Allerdings kann das Thema so nicht ein für alle mal beiseite gestellt werden, da diese Frage sich nicht rein naturwissenschaftlich und vordergründig beantworten lässt.
Ist Liebe, Vertrauen u.v.a. auch nur etwas für alte und senile Leute? Oder glaubst du, dass sich hinter diesen Begriffen mehr verbirgt als eine zufällige Buchstabenfolge bzw. Buchstabenkombination?
Zur Bibel: Seit ca. 3000 Jahren gibt es immer wieder Menschen, die die Bibel studieren, und es gibt auch tatsächlich immer noch viele sehr gebildete Menschen, die in der Bibel immer noch Wahrheiten entdecken, die auf anderer Ebene liegen.
Hast du dir schon einmal überlegt, wie sich deine eigene Sichtweise im Laufe deiner Biografie verändert hat? Hast du als Kind über vieles anders gedacht als heute?
Was ich damit sagen möchte, ist, dass wir uns von Menschen, die vor 2000 Jahren oder mehr ihre Erkenntnis der Dinge darstellten, nicht erwarten dürfen, dass sie die gleiche Sichtweise wie wir heute haben. 2000 Jahre Naturwissenschaftsstudium liegen hinter uns.
Die Entstehung des Menschen, die Entstehung der Welt, die Bibel spricht hier in bildlicher Sprache - wie es dem Volk der Juden bekannt ist und war.
Hier gäbe es noch viel hinzuzufügen :-)
Ich hoffe und wünsche dir, dass deine 100 Prozent vielleicht um 1 Promille erschüttert werden, so dass du dich auf das Spannende des Lebens einlassen magst ;-)
PS: Dein hebr. Vorname Dawidh trägt die Bedeutung "der Geliebte Gottes".
Mirjam
4. Von Modellen und anderen Krücken
30.08.2008, Willi, BerlinDavid in berechtigter jugendlicher Ungestümheit und Mirjam in (fast triefender, subtiler) Nachsicht und Güte ...
Ein paar kurze Bemerkungen:
1) "Ich glaube an das, was ich sehe ..." Vorsicht! Nichts ist wie es scheint! Wir alle werden in allen Medien und durch die allermeisten "Informationen" tagtäglich gehirngewaschen und hinters Licht geführt, und sei es nur durch manipulative Auswahl bzw. Verschweigen sowie den Kontext! Alles ist heutzutage nahezu perfekt fälschbar. Auch sog. "historische Tatsachen" sind definitiv Interpretationssache, je nach Interessenlage.
2) "... und nicht an etwas, das nicht existiert und nicht beweisbar ist." Bekanntlich lässt sich die Nichtexistenz von etwas nicht beweisen. Ist ja auch nicht nötig. Wenn man es nicht braucht, lässt man es eben weg. In der Philospohie als "Ockhams-Rasiermesser"-Prinzip bekannt und bewährt.
3) "Ist Liebe, Vertrauen u.v.a. auch nur etwas für alte und senile Leute?" Wer sagt denn, dass die genannten Begriffe nur in religiösem oder senilem (?) Kontext auftreten? Man untersteht auch und gerade als Atheist oder Agnostiker dem kategorischen Imperativ: Was du nicht willst, das man dir tu ... Oder anders ausgedrückt: Wenn schon Egoist, dann konsequent, denn richtig gut geht's mir nur, wenn's allen gut geht, wenn ich niemanden leiden sehe, es sei denn, ich bin Sadist, mithin psychisch krank.
4) Abschließend: Die Neurowissenschaft sollte - wie alle Wissenschaften - im Dienst der Aufklärung stehen und gibt hochinteressante Hinweise über die Funktionsweise und Begrenzungen unseres Gehirnes. Wer ein "Gotteszentrum" im Gehirn nachweisen wollte, gäbe sich allerdings der Lächerlichkeit preis. Im Laufe der Evolution hat sich offensichtlich das Gehirn als "Mustererkennungsorgan" bewährt. Mitunter stellt sich dann auch mal heraus, dass die Augen, die mich anstarren, nur Astlöcher in der Bretterwand sind, die ich anstarre. Wir müssen uns der Modellhaftigkeit jeglicher Ideen und Theorien immer bewusst sein. Es könnte alles auch ganz anders sein. Das erfordert Bescheidenheit und Achtsamkeit!
5) Wer nun zur Erklärung seiner Welt einen Gott, einen Teufel, Dämonen oder 72 Jungfrauen im Himmel als Krückstock braucht, soll das getrost tun. So wie sich Weihnachtsmann und Klapperstorch im Laufe des Lebens als (vorsätzliche) Irreführungen oder auch nur Späße entpuppen, bestehen auch in dieser Hinsicht Entwicklungschancen. Nur eines kann nicht toleriert werden: Mit eben diesem Krückstock auf seine Mitmenschen einzuschlagen und sie zwingen zu wollen, ebenfalls an diesen Krücken zu gehen, oder?
5. Der Sinn des Lebens ist keine religiöse Frage
03.12.2009, Sophie Amrain, MünchenÜber den Sinn DES Lebens zu reden, ist eine Anmaßung. Jeder muss diesen Sinn für sich finden, ihn für jemand anders zu setzen ist im höchstem Maße arrogant. Das gilt auch dann, wenn ein Gott das tut.
6. Pawlow und Eccles
30.08.2010, Ulf Wegener, BerlinZurückkrempeln jedenfalls ließe er sich nimmer mehr. Deshalb ist die Sinnsuche nicht totzukriegen.
Das Drama der Wissenschaft, der Wunsch ist ihr Vater des Gedankens. Sie ließ sich anstecken von politischen Ideologien und fiel daher zurück auf den Urahn der Reflextheorie, auf Pawlow.
Der weltbekannte Gehirnforscher John C. Eccles jedenfalls bekam für seine Arbeit "Wie das selbst sein Gehirn regiert" den Nobelpreis für Medizin. Was will ich mehr?
Nicht alle Wege führen nach Rom, aber einige.
7. Warum ist jemand gläubig?
04.07.2011, Uwe Hillebrand, WolfenbüttelEinmal hat ihr Glaube sehr oft mit Gewohnheit zu tun. Ein neugeborenes Kind wird quasi in den Glauben hinein getauft, da die Eltern als Angehörige einer bestimmten Religionsgemeinschaft bei der Taufe für ihr Kind entscheiden. Dabei gehen sie davon aus, dass ihre Religion die einzig richtige ist, und sie finden es nur legitim, diese an ihr Kind weiterzugeben. Das Kind hat daher keinerlei Möglichkeit, nein zur Kirche zu sagen. Würde sich ein Mensch stets erst im Erwachsenenalter für oder gegen die Kirche entscheiden können, und nur das wäre richtig, würden dadurch die Mitgliederzahlen der christlichen Kirchen stark zurückgehen.
Wächst das Kind in einer von der Religion geprägten Gemeinschaft auf, lernt es dabei zwangsläufig, dass man in die Kirche geht, dass man vor dem Altar heiratet und sein neugeborenes Kind vom Pastor taufen lässt.
8. Hier gilt: Jedem das, was er zu verstehen vermag
04.04.2012, Sven HaferkampDer Glaube hat auch viel mit naturwissenschaftlicher Prägung zu tun, die der religiösen Prägung gegenüber steht. Je nachdem was überwiegt, ist der Nobelpreisträger X womöglich mehr religiös oder Nobelpreisträger Y vielleicht eher Atheist.
Jedem das seine ...